
Mechanik neu justiert
Mit überschaubaren Beträgen werden Anleger, die in Offene Immobilienfonds investieren, zu Vermietern großer Geschäftsgebäude. Ein neues Gesetz begrenzt die Risiken.
„Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist“, schrieb einst der Dichter Christian Morgenstern. Ein Eigentümer mehrerer Häuser auf der ganzen Welt müsste demnach ein sehr reicher Mensch sein. Aber zu Morgensterns Zeit gab es keine Offenen Immobilienfonds, über die breite Anlegerschichten an den Erträgen gewerblicher Immobilien partizipieren konnten. Wer heute in einen Offenen Immobilienfonds investiert, wird anteilig Besitzer großer Bürogebäude und Geschäftshäuser, Einkaufszentren, Hotels oder Logistikhallen.
Anders als unmittelbare Immobilienbesitzer bleiben Anleger bei Offenen Immobilienfonds flexibel und können ihre Anteile jederzeit veräußern. Dadurch wird langfristig in Immobilien gebundenes Kapital kurzfristig verfügbar. Genau das führte im Oktober 2008 allerdings zu Turbulenzen. Auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise zogen vor allem institutionelle Anleger auf einen Schlag hohe Summen aus Offenen Immobilienfonds ab: 5 Milliarden Euro binnen einem Monat. Für etwa ein Dutzend in Deutschland zugelassener Fonds ein großes Problem, denn ihnen fehlten nun die Barmittel, um alle Rückgabewünsche zu erfüllen. Die Fonds mussten die Rücknahme der Anteile aussetzen. Die Offenen Immobilienfonds des DekaBank-Konzerns waren zu keiner Zeit von einer Schließung bedroht. Hingegen müssen inzwischen vier Fonds anderer Anbieter abgewickelt werden, weil die Zweijahresfrist für eine vorübergehende Schließung verstrichen ist.
Aus der Geschichte lernen
Um die negativen Auswirkungen künftiger Krisen zu begrenzen, hat der Gesetzgeber reagiert: Im April 2011 trat das Anlegerschutzgesetz in Kraft, das für Offene Immobilienfonds wichtige Neuerungen bringt. So müssen die Vertragsbedingungen spätestens zum 1. Januar 2013 eine Mindesthaltefrist von 24 Monaten vorsehen. Wer also am 2. Januar 2013 Fondsanteile erwirbt, kann sie frühestens am 2. Januar 2015 wieder verkaufen. Es gibt aber zwei wichtige Ausnahmen: Die Mindesthaltefrist gilt nicht, wenn der Anleger Anteile im Wert von maximal 30.000 Euro pro Kalenderhalbjahr zurückgibt. Und sie ist auch nicht anzuwenden auf Anteile, die vor dem Stichtag erworben wurden. Von einer zweiten Neuerung aber werden auch Altanleger betroffen sein: „Sie können zwar weiterhin täglich ihre Anteile zurückgeben, müssen dies aber zwölf Monate im Voraus ankündigen“, erläutert Albrecht Reihlen, Geschäftsführer der Deka Immobilien Investment, und ergänzt: „Für den typischen Deka-Anleger ist dies allerdings von untergeordneter Bedeutung.“ Denn auch für die Ankündigungsfrist gilt, dass pro Kalenderhalbjahr und Fonds Anteile im Wert von bis zu 30.000 Euro ohne Einhaltung einer Frist zurückgegeben werden können. Derart hohe Summen investieren jedoch nur wenige Privatanleger in einen einzigen Offenen Immobilienfonds. „Die meisten werden diese neuen Regelungen deshalb gar nicht spüren“, erwartet Reihlen.
Eine weitere Neuerung: Fondsimmobilien müssen künftig – statt wie bisher einmal pro Jahr – bis zu einmal pro Quartal von unabhängigen Gutachtern bewertet werden. „Damit werden die Entwicklungen an den Immobilienmärkten schneller im Fonds abgebildet“, so Reihlen. Bei einem gut diversifizierten Portfolio wird dies allerdings kaum eine spürbare Wirkung zeigen. Ziehen die Immobilienmärkte an – wie zurzeit –, muss das kein Nachteil sein, sondern kann sich positiv auf die Rendite auswirken.
Willkommene Abkühlung
Wenn Sabine Schütt mit Tochter und Tante ins Freibad fährt, ist sie auf alle Eventualitäten vorbereitet. Auch bei der Altersvorsorge geht sie auf Nummer sicher.
Mückenstift, Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 20 und 50+, Lippenbalsam, Pflaster, zwei Badetücher, zwei kleine Handtücher, zwei Badeanzüge zum Wechseln, After-Sun-Lotion, Taucherbrille – die Liste nimmt kein Ende, denkt Oma Annemarie Schütt aus der fiktiven Deka-Familie. „Und noch eine Zeckenzange“, fügt Nichte Sabine hinzu. Zwei prall gefüllte Strandtaschen liegen auf der Rückbank ihres Autos, daneben passt gerade noch der Kindersitz für ihre Tochter Emma. „Gibt es bei uns Zecken?“, fragt Annemarie. „Tante“, seufzt Sabine, „früher gab es gefährliche Zecken nur in Bayern, aber die breiten sich immer weiter aus. Da sorge ich lieber vor.“
Es ist 11 Uhr an diesem Spätsommertag, das Thermometer zeigt bereits 27 Grad. Höchste Zeit also, aufzubrechen: Oma Schütt schließt den Gurt, Emma klappt ihre Spielkonsole auf, Sabine legt den Rückwärtsgang ein. „Huch, was läuft denn da für ein Video?“, fragt Annemarie, als sie auf den Bildschirm in der Mittelkonsole blickt. „Tante, das ist die Rückfahrkamera – die hilft beim Ein- und Ausparken.“ „Was die Autos heute für Schnickschnack haben“, kommentiert Annemarie, „früher waren sie klein und übersichtlich.“ Doch Sabine ist anderer Meinung: „Von wegen Schnickschnack. Stell dir vor, wir hätten jetzt keine Klimaanlage oder keine Airbags.“ „Ja, sicher“, gibt Annemarie zu, „aber was das alles kostet!“ Sabine erklärt: „Wir haben etwas gespart und den Rest günstig finanziert.“ „Und Emma mit ihrem Spielecomputer ... Euch geht es ja richtig gut“, schiebt Annemarie hinterher. „Konsole“, verbessert Emma. „Die neue ist richtig cool, in 3 D.“ Sabine: „Ein Geburtstagsgeschenk, das sich gelohnt hat. Weißt du noch, wenn wir früher Auto gefahren sind, war uns spätestens nach 20 Minuten langweilig, und wir haben gefragt: Wann sind wir denn da?“ „Und nächstes Jahr, wenn ich acht werde, bekomme ich ein Handy“, ruft Emma dazwischen.
Annemarie staunt: „Wie könnt ihr euch das alles leisten?“ „Wir achten schon aufs Geld, deshalb fahren wir ja auch ins Freibad und nicht in den teuren Aquapark“, verteidigt sich ihre Nichte. „Stimmt nicht, Mama will nicht in den Aquapark, weil sie die riesigen Rutschen dort nicht mag.“ „Quatsch“, winkt Sabine ab. „Tante Annemarie, ich weiß gar nicht, was du hast. Dir und Karl geht es doch auch ganz gut.“ „Ja, aber nur, weil unser Sparkassenberater uns rechtzeitig darauf hingewiesen hat, dass wir in Sachen Vorsorge selbst aktiv werden sollten, sonst würden wir heute schlechter dastehen. Und für unsere Generation ist das Problem mit der Rentenlücke noch nicht so groß.“ Sabine gibt ihr recht: „Das stimmt, die Rentenlücke ist nicht ohne. Und wer weiß, wie es erst in 30 Jahren aussieht, wenn ich aus dem Job aussteigen werde. Ich gehe lieber auf Nummer sicher und lege jetzt schon etwas fürs Alter zurück. Dafür gibt es heute ja die Riester-Vorsorge.“
„Bleibt euch dafür überhaupt noch Geld?“, fragt Annemarie. Ihre Nichte erklärt, dass der Staat jedem Förderberechtigten jährlich 154 Euro Zulagen zahlt. „Außerdem bekommen wir für Emma 185 Euro Kinderzulage und für Pauline sogar 300 Euro, weil sie erst 2008 geboren wurde.“ Oma Schütt staunt: „Davon konnten wir früher nur träumen. Aber die vielen Formulare und komplizierten Regeln ...“ Sabine schüttelt den Kopf: „Halb so schlimm, Tante. Ich war nur einmal zum Beratungstermin bei der Sparkasse. Meine Badesachen zu packen hat länger gedauert.“ „Dafür hat sie eine Stunde gebraucht“, verrät Emma. „Und weißt du, was das Beste ist?“, fragt Sabine.
„Nein, aber du sagst es mir bestimmt gleich.“ „Die Beitragsgarantie – mit einem Riester-Fondssparplan investierst du in chancenreiche Anlagen. Ich weiß zwar, dass die auch mal schwanken können, aber zu Beginn der Auszahlungsphase garantiert dir die Deka die eingezahlten Beiträge inklusive staatlicher Zulagen.“
Looping im Freibad
„Was habt ihr denn früher gemacht, wenn es so heiß war wie heute, Großtante?“, fragt Emma neugierig. „Wenn es noch nicht mal Spielkonsolen gab, dann hattet ihr doch bestimmt auch noch kein Freibad, oder?“ Sabine schmunzelt und antwortet: „Daran hat sich nichts geändert.“ Ein Irrtum, wie Sabine zehn Minuten später merkt, als sie an einer monströsen Röhrenkonstruktion hochsieht. Emma ist aus dem Häuschen: „Super! Mami, die Rutsche war letzten Sommer noch nicht da. Vier Kurven – und schau mal, in der Mitte geht’s ganz steil runter.“ Schreie wie in einer Achterbahn dringen aus der Röhre. Sabine beobachtet skeptisch, wie ein Junge aus der Rutsche geschossen kommt. „Ohne mich, Emma, da geh’ ich nicht hoch.“ „Muss ich jetzt etwa alleine rutschen?“, fragt das Mädchen enttäuscht. Annemarie zwinkert ihrer Nichte zu: „Hast du mir nicht eben auf der Fahrt noch erzählt, wie aufgeschlossen du Neuem gegenüber bist?“ Sie nimmt Emma an die Hand: „Den Spaß lasse ich mir nicht entgehen, ich bin schließlich nicht von gestern.“
Immer im Bilde
Eurokrise, Ölpreise, Aktienkurse – wenn es um wichtige wirtschaftliche Themen geht, ist die Meinung der DekaBank-Volkswirte gefragt. Auf ihre Einschätzung legen die Kollegen aus dem Fondsmanagement ebenso Wert wie die Anleger.
Chefvolkswirt Ulrich Kater im Interview für das ARD-Börsenstudio.
Seine Meinung ist bei Moderator Michael Best auch abseits der Kameras gefragt.
„Frau Dofel, die Herren, ich muss mich an dieser Stelle leider verabschieden“, sagt Holger Bahr, nachdem er 90 Minuten an der fondsmagazin-Diskussionsrunde zur US-Wirtschaft teilgenommen hat
(-> Roundtable USA). Dann eilt der Leiter Volkswirtschaft der DekaBank zum Frankfurter Flughafen. Er will den Flieger nach München erreichen, um am Abend bei einer Kundenveranstaltung der Sparkasse Rottal-Inn zu sprechen. Er wird die wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands im Lichte der Eurokrise aufzeigen und seine Einschätzung der Zinsen und Aktienmärkte erläutern.
„Wir Volkswirte geben zu allen denkbaren makroökonomischen Fragestellungen unsere Einschätzung ab und formulieren die entsprechende Hausmeinung der DekaBank“, erklärt Bahr. „Unsere Hauptaufgabe ist, mit dem Research die Fondsmanager der Deka Investment bei ihren Anlageentscheidungen zu unterstützen.“ Ob er sich mit den Kollegen aus dem Fondsmanagement austauscht oder vor Privatanlegern referiert: „Es geht um nichts anderes, als die richtige Prognose zu stellen“, so Bahr.
„Geldanlage ist Vertrauenssache. Kunden müssen Vertrauen haben in ihren Berater, in die Produkte und in unsere Markteinschätzung.“
Holger Bahr
Mehr als Rechenkunst
Derzeit arbeitet ein 21-köpfiges Team an den volkswirtschaftlichen Prognosen der DekaBank. Eine davon ist Dora Borbély. Sie ist Expertin für Rohstoffe. Ausgangspunkt für ihre Prognosen sind mathematische Modelle. Füttert sie diese mit großen Datenmengen und präzisen Angaben, so liefern sie eindeutige Ergebnisse. „Ich habe zum Beispiel genaue Werte über physisches Angebot und physische Nachfrage auf dem Ölmarkt. Mein Rechenmodell sagt mir, dass diese einen Preis von 85 bis 90 US-Dollar je Barrel Öl rechtfertigen.“
Das Fass kostet aktuell aber etwa 15 Dollar mehr, und nun wird es kompliziert: „Ich kann das Ergebnis der Berechnung nicht einfach für meine Prognose übernehmen, weil die Marktteilnehmer auch Risiken einpreisen, etwa den Bürgerkrieg in Libyen.“ Neben Rechenkunst sind deshalb Erfahrung und analytische Fähigkeiten gefragt. In Borbélys Prognose fließen außerdem die Analysen ihrer Kolleginnen und Kollegen ein, etwa zum Wirtschaftswachstum. Alle Faktoren zusammen bringen die Expertin zu dem Schluss, dass Erdöl in zwölf Monaten bei etwa 100 US-Dollar notieren wird. Sollte aber jetzt ein Kollege beispielsweise seine Wachstumsprognose ändern, passt das möglicherweise nicht zu einem anhaltend hohen Ölpreis. Aus solchen Konstellationen entsteht Gesprächsbedarf für die monatliche Konjunkturrunde, zu der sich die gesamte Abteilung an diesem Tag trifft.
„Wir übernehmen nicht einfach die Ergebnisse unserer Modellrechnungen, sondern gehen mit Sachverstand und Intuition an die Arbeit.“
Dora Borbély
(links, mit Gabriele Widmann)
Bei Sparkassen präsent
Vorher hat Dora Borbély aber noch eine Besprechung mit ihrer Kollegin Gabriele Widmann, die gerade eine Präsentation für einen Sparkassen-Vortrag vorbereitet. Beide tauschen sich über die Inhalte aus. Hier sind Klartext und einleuchtende Argumente statt Fachjargon gefragt. „Deutschland altert, die Rentenlücke wird größer“, so Widmann. „Allein mit festverzinslichen Anlagen werden die Senioren von morgen nicht glücklich werden.“ Die Volkswirtin argumentiert auf ihrer „Mission Wertpapierfreude“ gegen die weit verbreitete Skepsis der Sparer gegenüber den Kapitalmärkten.
Die beiden Expertinnen gehören neben Holger Bahr und Chefvolkswirt Ulrich Kater zu den „Öffentlichkeitsarbeitern“ unter den DekaBank-Volkswirten. Das heißt, eine oder einer von ihnen ist stets zur Stelle, wenn bei einer Sparkassen-Vorständetagung, einer Kundenveranstaltung oder bei einem Besuch von Sparkassenberatern in der Frankfurter Deka-Zentrale Wirtschaftsexpertise gefragt ist. Pro Jahr sind es rund 400 Veranstal-tungen, dazu regelmäßige Radio- und TV-Interviews sowie Gastbeiträge in der Wirtschaftspresse. Nicht zu vergessen zahlreiche Research-Publikationen: Im Jahr 2010 waren es mehr als 800.
Gefragter Gesprächspartner
Es ist kurz vor 14 Uhr, als Ulrich Kater von einem solchen Interviewtermin in sein Büro zurückkehrt. Michael Best, der Leiter des ARD-Börsenstudios, befragte den Chefvolkswirt zur Krise in Griechenland. Kater wiederholte seine Einschätzung, mit der er in den vergangenen Monaten richtig gelegen hatte: „Man kann Griechenland mit den internationalen Hilfen vorübergehend stabilisieren, spätestens 2013 muss aber eine dauerhafte Lösung gefunden sein.“
Kater hat noch wenige Minuten, um sich auf die Konjunkturrunde vorzubereiten. Dabei geht es um die monatliche Prognose, die zentrale Publikation der Volkswirte zu Konjunktur und Kapitalmärkten. Der auf elf Seiten komprimierte Weltwirtschaftsausblick dient den Fondsmanagern der Deka Investment als Wegweiser für die Einschätzung der Märkte. „Die Kollegen können ihn als Grundlage für ihre Arbeit einsetzen“, erklärt der Chefvolkswirt. „Sie tun dies aber nur, wenn sie auf unser Research vertrauen.“
In der monatlichen Konjunkturrunde diskutieren die Volkswirte der DekaBank mögliche Wirtschaftsszenarien.
Wegweiser für die Märkte
Welchen Nutzen die Expertise für die Ausrichtung der Fondsportfolios haben kann, zeigt ein Beispiel aus dem Sommer 2010: In den USA gaben zu dieser Zeit die Frühindikatoren nach, viele Experten befürchteten einen Rückfall in die Rezession. „Wir gingen dagegen nur von einer kurzen Verschnaufpause im Aufschwung aus“, sagt Kater. Diese Sicht bestätigte sich in den folgenden Monaten, denn seit September 2010 legten die Aktienkurse deutlich zu. „Wir werden heute auch analysieren, ob wir uns aktuell nicht in einer ähnlichen Situation befinden“, so der Ökonom.
Hat man die mit Daten und Charts prall gefüllte monatliche Publikation der Volkswirte vor Augen, könnte man eine Konjunkturrunde erwarten, bei der es nur um Zahlen geht. Das Gegenteil ist der Fall. „Lasst uns die verschiedenen Möglichkeiten durchspielen“, fordert Kater die Kollegen auf. Es gibt keine Denktabus: Was passiert, wenn Griechenland unkontrolliert in die Zahlungsunfähigkeit schlittert? Wie lange wird ein Hilfspaket die Märkte beruhigen? Die Runde diskutiert mehr als eine Stunde lebhaft und bisweilen kontrovers über die Rolle der Politik, über Ratingagenturen und über Ansteckungsgefahren bis in die USA. „Unser Hauptszenario beinhaltet bereits eine schwere Rezession in Griechenland und wiederkehrende Marktturbulenzen wegen der Schuldenkrise“, sagt der Spezialist für Industrieländer, Christian Melzer. „Damit haben wir viel Negatives berücksichtigt, obwohl sich zwei Drittel der Länder aus der Eurozone in einer guten wirtschaftlichen Verfassung befinden.“ Deutschland-Experte Andreas Scheuerle stimmt zu: „Die deutschen Unternehmen zeigen sich bislang unbeeindruckt von den Turbulenzen.“
Eine positive Botschaft
Am Ende bekräftigt die Runde das Basisszenario – vorübergehende Beruhigung in Europa und Fortsetzung des Aufschwungs und belässt die Eintrittswahrscheinlichkeit bei 70 Prozent. Dass es schlechter kommt, wird im Negativszenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent angenommen. „Irgendwann wird auch dieser Aufschwung einmal vorbei sein, aber noch nicht jetzt“, erklärt Ulrich Kater. „Die Aktienmärkte bieten weiterhin Chancen.“ Dies ist eine wichtige Botschaft an die Fonds-manager im Haus, mit denen sich die Volkswirte im Anschluss an die Konjunkturrunde besprechen. Dann geht es neben Aktien um Zinsen, Rohstoffe, Währungen und Immobilien. Die Investmentprofis erhalten so das Rüstzeug, um mit noch mehr Gewissheit ihre Portfolios steuern zu können.
DekaBank-Volkswirte vor Ort: Holger Bahr im Gespräch mit Josef Borchi, Vorstandsmitglied der Sparkasse Rottal-Inn.
Zur selben Zeit in der Sparkasse Rottal-Inn: „Absolute Sicherheit gibt es bei Prognosen nicht. Zum Beispiel konnte Anfang des Jahres niemand Fukushima in seinen Voraussagen berücksichtigen“, erläutert Bahr den Sparkassenkunden, von denen derzeit viele über Negativszenarien grübeln. „Auch wir können nicht ausschließen, dass die Schuldenkrise ein schlechtes Ende nimmt. Aber soll man seine Geldanlage am schlechtesten Fall ausrichten oder doch lieber an der voraussichtlichen Entwicklung?“
Wechsel bei der Rente
Vater Staat hat auf den demografischen Wandel reagiert: Ab 2012 steigt das gesetzliche Rentenalter sukzessive auf 67 Jahre. Auch Förderprogramme zur privaten Vorsorge sind betroffen.
„Als ich vor sieben Jahren in den Vorruhestand wechselte, hatte meine Frau Angst, dass ich auf dumme Gedanken kommen und ihr die Küche aufräumen oder sonst wie auf den Wecker gehen würde“, erinnert sich Hans-Joachim Danne und schmunzelt. „Also hat sie mir einen Golfschnupperkurs geschenkt.“ Ein echter Volltreffer, denn heute ist der 67-Jährige leidenschaftlicher Golfer und Präsident des Golfclubs seiner Heimatstadt Burgdorf. Dass er und seine Frau inzwischen so viel Zeit für Familie und Hobby aufwenden können, verdankt das Ehepaar vor allem dem zielgenauen Aufbau seiner Altersvorsorge.
Nachdem Danne bei einem Jobwechsel vor einigen Jahren eine stattliche Abfindung erhalten hatte, begann das Paar, den vorzeitigen Ruhestand systematisch zu planen. Das Ziel: mit Hilfe der Zahlung die Zeit bis zum gesetzlichen Rentenalter zu überbrücken. Die Sparkassenberaterin rechnete den Dannes vor, wie sie einen Ausstieg mit 60 finanzieren könnten. Sie berücksichtigte dabei, dass beide möglichst konservativ investieren wollten, und empfahl einen Mix aus Fonds mit verschiedenen Anlageschwerpunkten und breit gestreuten Risiken. Das Ergebnis stimmte. „Damals wie heute überzeugen Fondslösungen beim Thema Altersvorsorge“, sagt Jan Schlichting, Segmentmanager der DekaBank. Doch nur wer wie die Dannes vor dem 1. Januar 2009 Fondsanteile gekauft hat, kann Kursgewinne steuerfrei vereinnahmen. Anleger, die heute einsteigen, zahlen hingegen Abgeltungsteuer auf Kursgewinne, Dividenden- und Zinserträge.
Riester mit Steuervorteil
Eine Ausnahme sind Riester-Fondssparpläne wie der Deka-ZukunftsPlan – und zwar auch dann, wenn Zulagen ausgereizt oder Sparer gar nicht förderberechtigt sind. Den Fondssparplan gibt es als „Classic“-Version, bei der Investmentexperten das Geld auf vielversprechende Fonds aufteilen. Bei der Variante „Select“ wählen Anleger die Fonds selbst aus. Wer beim Deka-ZukunftsPlan mindestens zwölf Jahre am Ball bleibt und sich das angesparte Vermögen nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres (62. Lebensjahr ab Januar 2012) auszahlen lässt, genießt vollen Kapitalschutz auf alle Einzahlungen und darüber hinaus einen möglichen Steuervorteil.* „In der Ansparphase sind dann Erträge aus dem Fondsvermögen abgeltungsteuerfrei. Später, in der Auszahlphase, muss nur die Hälfte des Wertzuwachses mit dem persönlichen Steuersatz verrechnet werden“, so Schlichting.
Geduld zahlt sich aus
Wer etwa 25 Jahre lang monatlich 200 Euro in einen Riester-Vertrag einzahlt und durchschnittlich 6 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet, kommt nach Abzug von
2 Prozent Ausgabeaufschlag und einer jährlichen Depotgebühr in Höhe von 10 Euro auf knapp 133.000 Euro Guthaben. 60.000 Euro entfallen auf die Einzahlungen, 73.000 werden aus regelmäßigen Erträgen und Kursgewinnen erwirtschaftet.** Davon bleibt die Hälfte – knapp 36.500 Euro – steuerfrei, sofern für die Beiträge keine staatliche Förderung in Anspruch genommen wurde. Der Rest ist zum persönlichen Steuersatz zu veranlagen. „Und dieser ist bei Auszahlung im Rentenalter meist deutlich niedriger als im aktiven Berufsleben“, erklärt Schlichting.
Für Riester-Verträge ab Januar 2012 muss der Sparer bei Auszahlungsbeginn mindestens 62 Jahre alt sein, um in den Genuss der Vorteile zu kommen. Anleger, die wie Danne die Rente ab 60 planen, sollten am besten noch in diesem Jahr die Weichen stellen. Doch auch nach dem Wechsel von 12/60 auf 12/62 gilt: Wer sich sein angespartes Vermögen vorzeitig auszahlen lässt, muss den Wertzuwachs in voller Höhe versteuern.