Warum Europa?
Notmaßnahmen zur Stabilisierung der Euro-Zone, ausufernde Staatsschulden, niedrige Wachstumsraten – Europas Sterne scheinen zu verblassen.
Sind Investments in europäische Aktien und Anleihen noch empfehlenswert? Ja, denn der Alte Kontinent hat Potenzial.

„Have a break, have a Kit Kat.“ Einfach mal eine Pause einlegen, Negativschlagzeilen über mögliche Staatspleiten oder die Euro-Schwäche für einen Moment ausblenden und in Ruhe nachdenken.
Das ist gerade in diesen turbulenten Wochen eine gute Methode, um abseits der nachvollziehbaren Aufgeregtheit zu einer sachlichen Einschätzung der Perspektiven unseres Kontinents zu finden.
Dieser Gedankengang kann beim Schokoriegel beginnen: Kit Kat wird vom Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé produziert, wie auch Alete-Babybrei, Buitoni-Nudeln oder Purina-Tierfutter.
Bei Mineralwasser und Kaffee ist Nestlé Weltmarktführer. Bestes Zeichen für eine Firmenpolitik, die auf Innovation setzt: Nestlé erzielt 25 Prozent des Umsatzes mit Erzeugnissen,
die es vor drei Jahren noch nicht gab. Den Lohn der Mühe verkündete Konzernchef Paul Bulcke bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das Rezessionsjahr 2009:
„Mit einem organischen Wachstum von 4,1 Prozent konnten wir schneller expandieren als der Rest der Industrie. Für 2010 erwarten wir noch bessere Zahlen.“
Ob es sich um den Nahrungsmittelhersteller aus der Schweiz handelt, den Autobauer Volkswagen aus Deutschland,
den französischen Umweltdienstleister Veolia oder den niederländischen Elektronikkonzern Philips – die Zutaten für die Erfolgsrezepte europäischer Unternehmen ähneln sich:
starke Finanzkraft, gepaart mit weitsichtigem Management, der Entwicklung innovativer Produkte und einer globalen Ausrichtung.
Im kommenden Aufschwung dürften die europäischen Global Player ihre Stärken voll ausspielen. Der Anlageregion Europa kann das nur gut tun,
schließlich beheimatet der Kontinent viele Firmen von Weltrang.
Krisenerprobte Gemeinschaft
Doch zunächst müssen einige europäische Staaten ihre Hausaufgaben machen und die Finanzen in den Griff bekommen.
Beispiel Griechenland: Dort summieren sich die Staatsschulden auf 115 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.
Zudem sind die Lohnstückkosten bei den Hellenen seit 1999 um 40 Prozent gestiegen, in Deutschland waren es nur 5 Prozent.
Als Folge haben griechische Produkte an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Hohe Lohnstückkosten plagen auch spanische Unternehmen,
zudem ist der Immobilienmarkt wegen eines immensen Überangebots implodiert.
Portugal hat ebenfalls über seine Verhältnisse gelebt. Die hohe Staatsverschuldung in Verbindung mit schwachem Wirtschaftswachstum werde zur Gefahr,
befand Ende April die Ratingagentur Standard & Poor’s und senkte das Rating des Landes
(-> Dekapedia)
. Seither muss Portugal höhere Zinsen auf seine Staatsanleihen bieten. Früher wäre die Abwertung der eigenen Währung eine Möglichkeit gewesen,
der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Im einheitlichen Währungsraum scheidet dieses Mittel aus.
„Alle Euro-Länder unterliegen der gleichen Geldpolitik, doch ökonomisch haben sie sich zum Teil auseinanderentwickelt“, erklärt Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft bei der DekaBank.
Das vorrangige Ziel der krisengeschüttelten Staaten lautet daher: Schulden abbauen, aber mit möglichst geringen Einbußen beim Wachstum. Griechenland hat bereits rigorose Sparmaßnahmen eingeleitet.
Trotzdem mussten die anderen EU-Länder und der Internationale Währungsfonds Ende April nicht nur ein Hilfsprogramm für Griechenland schnüren,
sondern kurz darauf auch einen Rettungsschirm über die gesamte Euro-Zone spannen – damit wurde ein klares Zeichen gesetzt und hochverschuldeten Ländern mehr Zeit verschafft,
um ihre Haushalte zu konsolidieren. Ob dies auch gelingt, ist allerdings nicht garantiert. „Um ähnliche Probleme künftig zu verhindern,
muss die EU Sanktionsmechanismen entwickeln", fordert Holger Bahr. Unterm Strich stellt der DekaBank-Experte der Einheitswährung aber ein gutes Zeugnis aus:
„Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, er hat sich zur zweitwichtigsten Währung der Welt gemausert.“
Zudem habe die Europäische Zentralbank (EZB) bisher stets ihre Unabhängigkeit demonstriert und Versuchen der politischen Einflussnahme widerstanden.
Dass Europa durchaus in der Lage ist, prekäre Situationen zu meistern, stellten die Regierungen während der Finanzmarktkrise unter Beweis.
Mit Konjunkturprogrammen bekämpften sie die Rezession, während die EZB den Leitzinssatz auf 1 Prozent senkte.
Die Maßnahmen tragen Früchte: Nach einer langsamen Wiederbelebung in diesem Jahr ist 2011 laut Prognose der DekaBank in der Euro-Zone immerhin ein Wachstum von 1,5 Prozent erreichbar.
Eine weitere gute Nachricht: Die Europäische Zentralbank kann ihre expansive Geldpolitik auf absehbare Zeit fortsetzen, da die Inflationsraten niedrig sind.
Günstiges Geld ist Schmierstoff für Konjunktur und Aktienmärkte.
Beträchtliche Anziehungskraft

Allein der Schweizer Pharmakonzern Roche hat 2009
etwa 5,9 Milliarden Euro für Forschung ausgegeben, genauso viel wie der deutsche Autobauer Volkswagen.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa können nicht so schlecht sein, wie oft behauptet wird.
Anders wären folgende Zahlen aus einer Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants nicht zu erklären:
23 der 50 weltgrößten Konzerne haben ihre Zentrale in Europa, 32 Prozent der 3.000 größten Unternehmen sind europäisch.
Und der Standort scheint den Geschäften zuträglich zu sein. Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung:
„Europas Spitzenunternehmen wachsen schneller als ihre internationalen Wettbewerber, sie sind im Schnitt profitabler und internationaler aufgestellt.“
Schwenker betont, dass dabei auch der gemeinsame Binnenmarkt eine Rolle spiele: „Unternehmen brauchen große Heimatmärkte, auf denen sie stark sind,
um dann auch global erfolgreich zu sein. Der europäische Heimatmarkt mit rund 500 Millionen Menschen bietet eine exzellente Ausgangslage.“
Hartwig Webersinke, Dekan der Fakultät Wirtschaft und Recht an der Hochschule Aschaffenburg, ergänzt:
„Die Stärke Europas liegt bei qualitativ hochwertigen Industriegütern und individuell zugeschnittenen Dienstleistungen.“
Doch ein Selbstläufer ist das nicht: Nur permanenter Fortschritt kann den technologischen Vorsprung sichern. Ein positives Signal:
Erstmals seit 2003 stiegen 2007 und 2008 die Investitionen europäischer Unternehmen in Forschung und Entwicklung schneller an als die der US-amerikanischen Konkurrenten.
Das schafft gute Voraussetzungen für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.
Während zu Hause lamentiert wird, steigt das Ansehen von „Good Old Europe“ in der Welt.
Der hohe Anteil des produzierenden Gewerbes, vor Jahren in der angelsächsischen Welt noch als Auslaufmodell bezeichnet,
entpuppt sich heute als Vorteil. Der Anteil der Industrie an der gesamten Wirtschaftsleistung liegt in Europa bei 18 Prozent, in Deutschland sogar bei 24 Prozent.
Die USA, die vor allem auf das Wachstum des Finanzsektors setzten, kommen auf eine Quote von lediglich 14 Prozent.
„Wir Amerikaner sollten wieder lernen zu produzieren und uns Europa dabei als Vorbild nehmen“, sagt Paul Volcker,
Berater von US-Präsident Barack Obama und ehemaliger US-Notenbankchef.
Die europäische Wirtschaft stellt Waren her,
die auf den Weltmärkten gefragt sind. Sie ist Nutznießerin des zunehmenden Welthandels und Gewinnerin der Globalisierung.
„Europa ist der wichtigste Ausrüster für die wachstumsstarken Schwellenländer“,
so Joachim Schallmayer, Fondsmanager der Deka Investment und verantwortlich für den Aktienfonds Deka-EuroStocks.
Gut und günstig

Eine umweltfreundliche Erdgasanlage,
die Linde für Statoil an der norwegischen Küste gebaut hat. Linde
ist Weltmarktführer bei Industriegasen.
Nicht nur die gute Positionierung der Unternehmen auf den Weltmärkten spricht für europäische Aktien.
Nach dem Ende der Rezession laufen nun auch die Geschäfte wieder besser:
Die Gesellschaften aus dem Aktienindex MSCI Europe werden nach Analystenschätzungen 2010 durchschnittlich einen Gewinnanstieg von 27 Prozent erzielen können.
Europäische Aktien sind zudem mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von derzeit etwa elf niedrig bewertet, der Durchschnitt seit 1975 liegt bei mehr als 14.
„Auch die historisch hohe Dividendenrendite von 4,5 Prozent ist ein gewichtiges Argument“, erklärt Schallmayer.
Für Deka-EuroStocks favorisiert der Fondsmanager die Produzenten hochwertiger Konsumgüter, Industrieunternehmen,
Maschinenbauer sowie Nahrungsmittelhersteller – alles Branchen mit einem hohen Umsatzanteil in Ländern wie Brasilien oder China.
„Wir sehen großes Potenzial bei europäischen Weltmarktführern, die vom starken Wachstum in Schwellenländern profitieren“, so der Aktienexperte.
Denn die Bevölkerung in den Schwellenländern nimmt sich den Westen zum Vorbild, von der Ernährung bis zum Lebensstil.
Das belebt beispielsweise das Geschäft von Luxusgüterherstellern wie dem französischen Markenartikelkonzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR).
Dessen Gesamtumsatz sank zwar im vergangenen Jahr um 4 Prozent, das Geschäft in den Schwellenländern wuchs aber um ein Drittel.
Mit Deka-EuroStocks können Anleger in das „Who is Who“ der Top-Unternehmen aus Euroland investieren.
Total, Sanofi-Aventis, Telefónica und Siemens zählen zu den großen Positionen des mehr als 70 Titel umfassenden Portfolios.
Der Fondsklassiker AriDeka streut ebenfalls breit, berücksichtigt dabei aber auch Märkte außerhalb der Euro-Zone:
So ist beispielsweise Großbritannien mit aktuell rund 30 Prozent Fondsvermögens gewichtet; Schweizer Unternehmen sind mit etwa 12 Prozent ebenfalls prominent vertreten.
Aktiv für Stabilität

Gute Voraussetzungen für weiter steigende Kurse: Laut Analysten werden europäische Unternehmen 2010 und 2011 durchschnittlich prozentual zweistellige Gewinnzuwächse erzielen.
Auch an den Rentenmärkten stehen europäische Titel im Fokus. Anfängliche Befürchtungen,
dass europäische Rentenfonds unter fallenden Kursen griechischer oder portugiesischer Staatstitel zu leiden hätten,
haben sich nicht bewahrheitet, da es sich hierbei um Nebenmärkte handelt.
Der Löwenanteil des Kapitals fließt in deutsche und französische Papiere – und die bleiben gefragt.
So war 2009 ein ausgezeichneter Jahrgang für Euro-Anleihen, und auch 2010 hat positiv begonnen.
Jetzt brauchen die Fondsmanager von Rentenfonds allerdings besonderes Fingerspitzengefühl.
„Wir bewegen uns in einem herausfordernden Umfeld“, sagt Thomas Kirchmair, bei der Deka verantwortlich für Deka-EuropaBond.
„Da die Zinsen in den Hauptmärkten auf einem sehr niedrigen Niveau liegen, ist mit Kursgewinnen wie in den vergangenen Monaten nicht mehr zu rechnen.“
Dafür bieten nun Bonds aus Ländern wie Portugal und Spanien höhere Renditen und eröffnen als Beimischung Anlagechancen – unter der Voraussetzung,
dass sich die Finanzlage dort entspannen sollte. Anleihen junger EU Staaten wie Polen oder Ungarn in der jeweiligen Landeswährung bergen ebenfalls Potenzial.
Auch die als sehr sicher geltenden Anleihen skandinavischer Staaten sind im Fondsportfolio vertreten, das durch ausgewählte Unternehmensanleihen abgerundet wird.
Kirchmair hat also vielfältige Möglichkeiten, über unterschiedliche Länder,
Laufzeiten und Anleihegattungen eine stetige Wertentwicklung zu erzielen – Deka-EuropaBond ist für Anleger eine gute Wahl.
Ja zu Europa
Es hat beinahe schon Tradition, dass die Europäer ihren eigenen Kontinent schlechtreden.
Schon vor Jahrzehnten machten die Butterberge und die Milchseen mehr Schlagzeilen als der steigende Wohlstand in der Europäischen Union.
Bei der Geldanlage wirkt sich die begrenzte Begeisterung aber nicht aus: Europa zählt unter Privatanlegern zu den beliebtesten Regionen.
Mit dieser Vorliebe sind Anleger gut gefahren, denn europäische Aktien- und Rentenfonds haben in den vergangenen Jahrzehnten einen ähnlichen Aufschwung erfahren wie die Staaten der Gemeinschaft.
Europa muss sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, seine Sterne leuchten weiter.
Deka-EuroStocks
Mit Deka-EuroStocks beteiligen sich Anleger an einer Auswahl der attraktivsten Aktien aus dem gesamten Euro-Raum.
Konditionen: Anteilklasse CF (ISIN LU0097655574): Ausgabeaufschlag 3,75 %, Verwaltungsvergütung 1,25 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 1,39 %;
Anteilklasse TF (ISIN LU0097654924): kein Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung 1,25 % p. a., Vertriebsprovision 0,72 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 2,14 %
Deka-EuropaBond
Der Anlageschwerpunkt des Rentenfonds liegt auf Staatsanleihen aus Kerneuropa. Zu einem geringeren Teil kommen festverzinsliche Papiere aus mittel- und osteuropäischen Konvergenzstaaten zum Einsatz. Außerdem können Unternehmensanleihen beigemischt werden.
Konditionen: Anteilklasse CF (ISIN DE000DK091G0): Ausgabeaufschlag 3,0 %, Verwaltungsvergütung 0,75 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 0,83 %;
Anteilklasse TF (ISIN DE0009771980): kein Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung (einschließlich Vertriebsprovision) 1,23 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 1,3 %
„Die EU wird eine tragende Rolle spielen“
Die europäischen Nationalstaaten sind zu klein, um die Herausforderungen
unserer Zeit allein zu meistern, so Politikprofessor Werner
Weidenfeld. Er sieht die EU als Garant für Stabilität.

Professor Dr. Werner Weidenfeld ist Direktor des Centrums für angewandte Politikforschung (CAP) in München. Seine
Bücher zur Europäischen Union zählen zu den Standardwerken der Politikwissenschaft. Wiederholt haben seine Kollegen Weidenfeld zum einflussreichsten Politikberater ihrer Zunft gewählt.
Staaten wie Griechenland, Portugal oder Italien kämpfen nicht nur mit ihrer Staatsverschuldung, sie verlieren auch an Wettbewerbsfähigkeit.
War die Einführung einer gemeinsamen Währung für 16 recht unterschiedliche Staaten ein Fehler?
Im Gegenteil, denken Sie sich den Euro einmal weg. Aus globaler Perspektive betrachtet hätte man dann in Europa lauter kleine Parzellen mit eigenen Währungen.
Diese Währungen könnten in Problemphasen zum Spielball von Spekulanten werden, was beim Euro nicht der Fall ist.
Außerdem kann die Europäische Union in der Euro-Zone einen disziplinierenden Druck auf Staaten ausüben, ordentlich zu haushalten.
Ohne diesen Einfluss wäre die griechische Regierung überfordert damit, die eigene Wirtschaft zu stabilisieren.
Druck hat in Griechenland nicht gereicht, es ist auch finanzielle Unterstützung nötig.
In Deutschland ist wieder die Rede davon, dass wir „Zahlmeister der EU“ sind. Zu Recht?
Zunächst ist Deutschland der Hauptprofiteur des gemeinsamen Binnenmarkts.
Die Internationalisierung ist geradezu ein Eldorado für die starke deutsche Wirtschaft.
Unabhängig davon war die Haltung der Bundesregierung richtig, nicht sofort Finanzhilfen zuzustimmen.
Dabei ging es aber nicht primär ums Geld, sondern darum, die politische Drohkulisse aufrechtzuerhalten.
Hätte die EU ihre Druckmittel einfach aus der Hand gegeben, könnte sich jetzt jeder Staat ausrechnen,
dass ihm in einer Zwangslage ebenfalls ohne größere Auflagen geholfen wird.
Wird die europäische Staatengemeinschaft die Probleme in den Griff bekommen?
Da bin ich zuversichtlich. Solange sich die Finanzprobleme auf einen kleinen Teil der Währungsgemeinschaft beschränken,
ist die Aufgabe absolut lösbar. Man darf nicht vergessen, dass Griechenland weniger Einwohner hat als Bayern.
Dennoch sollten Lehren aus dieser Krise gezogen werden. So war es ein Fehler, die Daten für die Stabilitätsrechnung der Mitgliedstaaten national statt europäisch zu erheben.
Die Probleme in Griechenland begannen ja mit den falschen Zahlen. Außerdem geht es auch nicht an, dass 16 Länder eine gemeinsame Währung haben,
wirtschaftspolitisch aber oft handeln, als gäbe es die anderen Staaten in der Währungsunion nicht. Wir brauchen eine Art europäische Wirtschaftsregierung.
Würden die Bürger das akzeptieren?
Die globale Finanzmarktkrise hat die Haltung vieler Menschen zur EU verändert.
Sie erkennen, dass die Nationalstaaten zu klein sind, um die Krisen von heute zu bewältigen.
Und diese Einschätzung entspricht den Tatsachen. Damit sich aber ein noch tragfähigeres Gemeinschaftsgefühl in Europa ausbildet,
muss sich die politische Klasse mehr bemühen, die Stärken des integrierten Europas zu vermitteln.
Das große Manko der Europäischen Union ist ihre Intransparenz.
De facto ist die EU also eine schlagkräftige politische Einheit, es ist für die Menschen nur schwer zu erkennen?
Ja, die Union ist wirtschaftlich stark, politisch stabil,
ermöglicht ihren Bürgern einen hohen Bildungsstandard und sie spielt auch sicherheitspolitisch eine zunehmend wichtige Rolle.
Der Vertrag von Lissabon, der seit Dezember 2009 in Kraft ist, ermöglicht außerdem effizientere Entscheidungsverfahren in den Institutionen der EU.
Und er sieht mehr Mitbestimmung für das Europaparlament, die nationalen Parlamente und die Bürger vor. Europa hat das Potenzial zur Weltmacht.
Das ist vielen Europäern aufgrund der kaum verständlichen Vertragswerke aber nicht klar. Der Vertrag von Lissabon hat mehr als 400 Seiten,
die gespickt sind mit Verweisen und Rückverweisen. Als unser Centrum für angewandte Politikforschung vor dem EU-Gipfel in Lissabon 2007 gebeten wurde,
in einem Textentwurf alles niederzuschreiben, was in der EU neu geregelt werden müsste, kamen wir auf 40 Seiten.
Skeptiker sagen, Europa sei noch gut positioniert, werde aber bald von Staaten wie China und Indien überholt. Wird vielleicht doch nichts aus der Weltmacht?
Gerade diese Wettbewerbssituation wird Dynamik entfachen. Wenn die Europäer spüren,
dass der Kontinent wirtschaftlich und politisch in der Welt ins Hintertreffen geraten könnte,
werden sie Strategien entwickeln, um die großen Herausforderungen zu meistern.
Ich gehe davon aus, dass die Europäische Union eine tragende Rolle in der Weltpolitik spielen wird.
Wer ist der Stärkere?
Beim Tauziehen der Währungen hat der US-Dollar gegenüber dem Euro an Boden gewonnen. fondsmagazin geht der Frage nach, ob der „Greenback“ weiter von Problemen einiger EU-Mitglieder profitieren wird.

„Griechenland am Rande der Pleite! Ist der Euro jetzt in Gefahr?“ Damit befassten sich im Frühjahr zahlreiche Presseartikel und Nachrichtensendungen.
Zwar ist dieses Szenario zunächst vom Tisch, nachdem die Europäische Union zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) entschieden hat,
Griechenland mit Krediten beizustehen. Noch dazu hat die EU für weitere potenzielle Wackelkandidaten wie Portugal oder Spanien einen Rettungsschirm mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro gespannt.
Aber die Skepsis vieler Marktteilnehmer wegen wachsender Staatsdefizite und großer Ungleichgewichte innerhalb der EU ist noch nicht ausgeräumt. Der Euro, der im Dezember 2009 bei über 1,50 US-Dollar notierte,
gab bis Mitte Mai auf rund 1,25 US-Dollar nach, das Vertrauen in die Währung ist geschwächt. „Offensichtlich ist der Euro für eine Krise dieser Dimension schlecht gewappnet“,
konstatiert Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).
Wie geht es weiter mit der noch jungen Währung? Für Axel Weber, den Präsidenten der Deutschen Bundesbank, ist die Sache klar:
„Der Euro ist keine Weichwährung und wird auch keine werden.“ Weber verweist darauf, dass die Probleme nur einen Teil der EU betreffen.
Zudem seien die Staatsdefizite vor allem deshalb gestiegen, weil die Europäer viele Milliarden Euro zur Bekämpfung der Rezession einsetzten.
Diese expansiven Maßnahmen würden bald auslaufen und die Staaten ihre Haushalte konsolidieren. Gerade diese Aussicht stimmt wiederum Kenneth Rogoff,
Wirtschaftsprofessor an der Harvard University, skeptisch: „Die wirtschaftliche Dynamik Europas wird durch die unausweichliche Sparpolitik der Staaten auf Jahre hinaus gebremst.
Das wird den Euro signifikant schwächen.“
Rekordverschuldung in den USA
Allerdings sorgen sich die Marktteilnehmer nicht nur um die Schuldenstände diesseits des Atlantiks.
Die Haushaltsplanungen von US-Präsident Barack Obama sehen 2010 eine Rekord-Neuverschuldung von 1,56 Billionen US-Dollar vor.
Das entspricht rund 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). 2011 klafft laut dem Regierungsentwurf erneut ein gigantisches Loch von 1,3 Billionen US-Dollar im Etat.
In Washington werden in den kommenden Jahren noch höhere Defizite in Kauf genommen als in Brüssel.
Dafür kommen die USA aber mit mehr Schwung aus dem Konjunkturtief, was sich in den nächsten Monaten als entscheidender Einflussfaktor auf die Wechselkurse entpuppen könnte.
Warum, erklärt Sebastian Wanke, Währungsexperte bei der DekaBank: „Da die Amerikaner im Konjunkturzyklus weiter sind als Europa,
dürfte die Notenbank Fed bereits diesen Herbst die Leitzinsen anheben.“ Dagegen werde die Europäische Zentralbank (EZB) im Euro-Raum nicht vor Frühjahr 2011 die Zinswende einläuten.
Wenn aber in den Vereinigten Staaten eine höhere Verzinsung für Kapital geboten wird, lockt dies internationale Investoren an.
In diesem Szenario spricht die Zinsdifferenz daher für den Dollar – aber nur, bis die EZB ihrerseits an der Zinsschraube dreht.
Auf Sicht von zwölf Monaten erwartet DekaBank-Experte Wanke ein Euro-Niveau von rund 1,20 US-Dollar. Dies käme der Konjunktur auf dem Alten Kontinent gar nicht ungelegen,
denn eine vorübergehende Währungsschwäche stärkt die Ausgangslage der Exporteure auf dem Weltmarkt.

Diversifikation ist Trumpf
Daniel Kittler, Fondsmanager bei der Deka Investment, sieht den Währungswettkampf noch gelassen: „Betrachtet man die vergangenen Jahre,
so waren Schwankungen beim Euro-/Dollar-Wechselkurs zwischen 8 und 12 Prozent jährlich eher die Regel als die Ausnahme.“
Für Anleger eröffnen diese Schwankungen sogar die Möglichkeit, eine Extraportion Rendite zu erwirtschaften, sofern sie verschiedene Währungen in ihren Depots berücksichtigen.
„Die Deutschen machen häufig den Fehler, fast ihr gesamtes Vermögen in Euro anzulegen“, erklärt Kittler. Er rät dazu, mittels global anlegenden Renten- oder Währungsfonds zu streuen.
Naturgemäß sind aber Verluste bei Fremdwährungen nicht auszuschließen – deshalb ist ein aktives Fondsmanagement wichtig, das die lokalen Anleihen ganz gezielt auswählt.
DekaRent-international kann Anleihen von allen Industriestaaten berücksichtigen. Derzeit sind 35 Prozent des Kapitals in Euro-Papiere investiert,
31 Prozent in US-Dollar und 18 Prozent in japanische Yen. Kleinere Positionen lauten auf australische sowie kanadische Dollar und britische Pfund.
Gewinnt der US-Dollar gegenüber dem Euro tatsächlich weiter an Wert, wirkt sich dies positiv auf den Fondspreis aus.
Besitzer von DekaRent-international können sich beim Tauziehen der Währungen also durchaus freuen, wenn das Team aus den USA vorübergehend die Nase vorn hat.
DekaRent-international
Der Rentenfonds investiert weltweit in Staatsanleihen.
Dabei nutzt das Fondsmanagement die unterschiedlichen Renditeniveaus in verschiedenen Regionen und strebt zudem Währungsgewinne an.
Konditionen: Anteilklasse CF (ISIN DE0008474560): Ausgabeaufschlag 3,0 %, Verwaltungsvergütung 0,9 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 1,01 %;
Anteilklasse TF (ISIN DE000DK1A6Q9): kein Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung inkl. Vertriebsprovision 1,38 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 1,65 %
Ausgezeichnetes Investment
Sie sind einfach gut, auch wenn sie kompliziert erscheinen: Wandelanleihen nutzen Chancen an den Aktienmärkten, können Kursrückgänge aber abfedern.
Deka-Wandelanleihen wurde dafür mit dem „Euro Fund Award 2010“ ausgezeichnet.

Vielleicht investieren viele Anleger nur deshalb nicht in Wandelanleihen, weil diese Anlageform weniger bekannt ist als Aktien oder klassische Anleihen.
Ein Beispiel zeigt, dass Wandelanleihen anders funktionieren als Aktien: Wer zu Beginn des Jahres 2010 Aktien des französischen Autoherstellers Peugeot kaufte,
hatte schon im ersten Quartal eine Berg- und Talfahrt zu überstehen. Erst legten die Kurse zu, um dann auf rund 80 Prozent des Kaufpreises zu fallen.
Im März pendelte sich der Kurs zwischen 90 und 95 Prozent des Einstandspreises ein. Deutlich ruhiger verlief dagegen die Kursentwicklung einer Peugeot-Wandelanleihe.
Die Mischung aus klassischer Anleihe und Kaufoption auf die Aktie sorgt dafür, dass die Papiere bei positiver Aktienkursentwicklung einen großen Teil der Aufwärtsbewegung mitmachen,
aber dann auf die Bremse treten, wenn die Aktienkurse fallen. So geschehen auch im Fall Peugeot:
Die Wandelanleihe notierte im ersten Quartal 2010 zu keinem Zeitpunkt mehr als 10 Prozent unter ihrem Wert vom Jahresanfang und hatte diesen bis Mitte März – anders als die Aktie – bereits wieder erreicht.*
Geben und nehmen
Convertibles, wie Wandelanleihen auch genannt werden, enthalten zwei Komponenten: Die Basis bildet eine klassische Unternehmensanleihe,
allerdings mit einer Verzinsung unterhalb der üblichen Konditionen. Als Gegenleistung für den teilweisen Zinsverzicht erhält der Anleger die Option,
die Anleihe innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu „wandeln“, also zu einem vorher festgelegten Preis in Aktien des Unternehmens zu tauschen.
Der Effekt: Klettern die Aktienkurse, sorgt die Kaufoption für steigende Preise der Wandelanleihe. Fallen aber die Kurse, begrenzt der Nominalwert des Zinspapiers die Abwärtsbewegung.
Denn zum Ende der Laufzeit erhält der Käufer den Nominalwert ausbezahlt.
„Mittelfristig betrachtet lässt sich das Verhalten von Wandelanleihen mit einer einfachen Faustregel beschreiben“,
erklärt Ralf Vielhaber, Verlagsleiter der Finanzpublikation „Fuchsbriefe“. „Sie profitieren zu rund zwei Dritteln von steigenden Aktienkursen,
sind an fallenden aber nur zu knapp 40 Prozent beteiligt.“
Der Blick auf den Strike
Allerdings reagiert jedes Papier individuell auf die Bewegungen an den Aktien- und Rentenmärkten.
Um Convertibles besser einschätzen zu können, setzen Anlageprofis auf Kenngrößen, beispielsweise den sogenannten Strike.
Das ist der Preis, zu dem eine Wandelanleihe später in Aktien des Unternehmens getauscht werden kann.
Je deutlicher der tatsächliche Aktienkurs über dieser Marke liegt, desto mehr lohnt der Umtausch und umso sensibler reagiert die Anleihe auf Kursänderungen der Aktie.
Ist es umgekehrt und der Strike liegt weit über dem aktuellen Kurs, lohnt sich der Tausch nicht und die Anleihe zeigt sich weitgehend unbeeindruckt vom Aktienmarkt.
Wie sensibel ein einzelnes Produkt auf den Aktienkurs reagiert, erfassen Experten mit der Kennzahl Delta.
Beträgt das Delta zum Beispiel 50 Prozent, dann kann eine Kursänderung der Aktie von 10 Prozent den Kurs der Anleihe um 5 Prozent bewegen.
Je höher das Delta ist, desto aktienähnlicher verhält sich die Wandelanleihe.
Eine Wissenschaft für sich
Investmentprofis setzen diese Messgröße ganz gezielt ein, um die Abhängigkeit ihrer Investments vom Aktienmarkt zu steuern.
Volker Marnet-Islinger, verantwortlicher Fondsmanager von Deka-Wandelanleihen:
„Während der Markttiefs der vergangenen Jahre lag das durchschnittliche Delta von Deka-Wandelanleihen nur bei etwa 20 Prozent.
In freundlichen Börsenphasen können wir diese Kennzahl auf 50 Prozent und mehr steigen lassen.“
Der Stratege hat jedoch nicht nur das Delta im Visier. Das wichtigste Kriterium ist die Attraktivität des Emittenten,
schließlich profitiert die Wandelanleihe von steigenden Aktienkursen. Auch die Bonität
(-> Dekapedia)
des Unternehmens ist zu beachten,
denn eine Veränderung der Kreditwürdigkeit hat Auswirkungen auf den Kurs der Anleihe. Nicht zuletzt beeinflusst die Volatilität,
also die Schwankungsintensität der Wandelanleihe, den Preis der beinhalteten Option. Die Analyse dieser Wertpapiere ist daher eine Wissenschaft für sich.
Deka-Wandelanleihen
Der Anlagefokus dieses Investmentfonds liegt auf Wandelanleihen von Unternehmen mit einer hervorragenden Bonität. Das Fondsmanagement investiert weltweit, allerdings mit einem Schwerpunkt auf Euro-Papieren.
Konditionen:Anteilklasse CF (ISIN LU0158528447): Ausgabeaufschlag 3,0 %, Verwaltungsvergütung 0,9 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 1,07 %;
Anteilklasse TF (ISIN LU0158529254): kein Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung 0,9 % p. a., Vertriebsprovision 0,48 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 1,54 %
Marnet-Islinger beherrscht diese Kunst. Er investiert mit Deka-Wandelanleihen schwerpunktmäßig in europäische Titel,
berücksichtigt aber auch US-amerikanische Emittenten. Das Portfolio musste im Krisenjahr 2008 zwar Werteinbußen hinnehmen,
allerdings waren diese nicht einmal halb so hoch wie die Verluste am globalen Aktienmarkt, gemessen am Index MSCI World.
Anders als der MSCI World hatte Deka-Wandelanleihen diesen Rückstand bereits Ende 2009 wieder mehr als aufgeholt.
Auch in der Drei- und der Fünfjahreswertung hat der Fonds ein positives Ergebnis erreicht.
Das Urteil unabhängiger Experten zeigt, wie stark diese Leistung einzustufen ist:
Beim Euro Fund Award 2010 wurde der Fonds als drittbester in der Kategorie „Wandelanleihen Euro“
für seine Performance in den vergangenen drei Jahren prämiert
(-> Deka Investmentfonds auf den vordersten Plätzen)
. Investmentexperte Vielhaber rät beim Thema Wandelanleihen:
„Diese Anlageklasse ist als Depotbeimischung durchaus zu empfehlen,
die Auswahl der Einzeltitel sollte man aber besser einem erfahrenen Fondsmanager anvertrauen.“ Einem wie Volker Marnet-Islinger,
der sich mit überzeugenden Ergebnissen seines Deka-Wandelanleihen empfiehlt.
Afrika am Ball
Zur Fußball-Weltmeisterschaft schaut die Welt auf Afrika. Für Anleger könnte der Schwarze Kontinent bald einen zweiten Blick wert sein.
Der Countdown läuft: Am 11. Juni wird erstmals eine Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent angepfiffen.
Ein sportliches Großereignis, das – über alle Spiele gerechnet – voraussichtlich mehr als 30 Milliarden Zuschauer vor die Fernsehschirme locken wird und das Südafrika nutzen will,
um sich der Welt modern und fortschrittlich zu präsentieren. „Wenn jemand an Südafrika denkt,
sollen ihm nicht Rassismus, Armut und Kriminalität einfallen“, wünscht sich Danny Jordaan, Chef des Organisationskomitees der WM 2010.
Das „Regenbogenland“ hofft nicht nur auf einen Imagewechsel, sondern auch auf wirtschaftliche Impulse:
„Beginnend mit der Weltmeisterschaft wollen wir eine noch wichtigere Rolle in der Weltwirtschaft spielen“, sagt Jordaan.
Die Weichen dafür sind gestellt: Im Zuge der Turniervorbereitungen flossen umgerechnet bereits rund 3,5 Milliarden Euro in das Straßen- und Eisenbahnnetz,
in den Bau neuer Stadien, den Ausbau von Flughäfen sowie schnelle Breitbandverbindungen ins Internet.
Die Weltmeisterschaft markiert aber nicht das Ende der Investitionen – anschließend geht es erst richtig los:
Mit zweistelligen Milliardenbeträgen wollen die Südafrikaner die Versorgung mit Wohnraum, Wasser, Energie und Medizin verbessern.
Schon dieses Beispiel aus Südafrika deutet an, wie viel wirtschaftliches Potenzial der Schwarze Kontinent hat.
„Auf lange Sicht ist Afrika eine der attraktivsten, wenn nicht die attraktivste Anlageregion der Emerging Markets“,
ist Patryk Jablonowski, Fondsmanager des Aktienfonds Deka-MiddleEast and Africa, überzeugt. Seiner Ansicht nach ist es nur noch eine Frage der Zeit,
bis die afrikanischen Märkte verstärkt auf dem Radar der Anleger erscheinen.
Reich an Ressourcen
Nicht nur in Südafrika, auch in vielen anderen Teilen des 53 Staaten umfassenden Kontinents wird die Versorgung auf Vordermann gebracht.
Vor allem die Einnahmen aus Rohstoffvorkommen machen eine Modernisierung möglich.
Unter der Erdoberfläche Afrikas schlummern rund 8 Prozent der Gas- und etwa 10 Prozent der globalen Ölreserven. Hinzu kommen Gold, Bauxit, Kohle und Diamanten.
Nicht zu vergessen: „80 Prozent des weltweiten Platin- und 45 Prozent des Kobaltbedarfs werden durch afrikanische Produktion abgedeckt“, so Arvid Rickmers, Rohstoffexperte der Deka.
Dass die hohe Nachfrage nach Bodenschätzen in Zukunft sinken wird, glaubt kaum ein Fachmann. Im Gegenteil:
„Insbesondere der Rohstoffhunger der aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens wird anhalten“, erwartet Rickmers.
Geld fließt also nach Afrika, es muss aber in die richtigen Kanäle geleitet werden: in Investitionen, die nachhaltiges Wachstum forcieren,
wie den Auf- und Ausbau von Infrastruktur. „So wird gewährleistet, dass auch die Auslandsinvestitionen weiter zunehmen,
neue Arbeitsplätze geschaffen werden und die Steuereinnahmen steigen“, erklärt Patryk Jablonowski. „Davon profitiert letztlich die gesamte Bevölkerung.“
Spitzenreiter bei Reformen
Auch auf klare politische Verhältnisse legen Investoren großen Wert. „Nur dort, wo politische Stabilität herrscht, kann sich die Wirtschaft frei entfalten“, urteilt Michael Monnerjahn, Sprecher des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Zwar gibt es Fälle wie Simbabwe,
wo der despotische Herrscher Robert Mugabe das Land in den Ruin gewirtschaftet hat. „Das Gros der Staaten hat in den vergangenen Jahren jedoch wichtige Reformen in die Wege geleitet“,
so Monnerjahn. Laut dem „Doing Business Report“ der Weltbank war Ruanda 2009 weltweiter Spitzenreiter, was Reformbemühungen betrifft.
So wurde ein Gesetz zur einfacheren und schnelleren Gründung von Unternehmen verabschiedet. Reformwille wird mit wachsenden Direktinvestitionen aus dem Ausland belohnt.
Nach Daten des Internationalen Währungsfonds kletterten diese zwischen 2000 und 2008 von 7,7 auf knapp 42 Milliarden US-Dollar.
Auch Erfolgsgeschichten afrikanischer Unternehmen locken Kapitalgeber an. Eine beachtliche Entwicklung hat etwa Celtel genommen.
Um die Jahrtausendwende gegründet, begann der Mobilfunker rasch ein Netz über 13 afrikanische Staaten zu spannen.
Wenige Jahre später zählte Celtel 25 Millionen Kunden. 2005 schnappte sich dann das kuwaitische Konsortium MTC die Mobilfunkperle für 3,5 Milliarden US-Dollar.
An einer ähnlichen Erfolgsgeschichte schreibt aktuell der Mobilfunkanbieter Safaricom. über sein kenianisches Netz bietet er den Bezahlservice M-Pesa an, eine Art Kontoersatz.
Kunden können damit Gelder überweisen, Kleinunternehmer ihren Angestellten die Löhne auszahlen und vieles mehr. Kenia hat als erstes Land der Welt einen solchen Service.
Der Expansion von Safaricom sind vorläufig keine Grenzen gesetzt: Nur jeder fünfte Kenianer verfügt über ein Konto, aber vier von fünf Kenianern haben ein Handy.
Der Nachholbedarf zwischen Kapstadt und Alexandria steht außer Frage: Obwohl rund 14 Prozent der Weltbevölkerung in Afrika leben,
steuert der Kontinent gerade mal etwa 3 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei. „Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Differenz so gewaltig“,
sagt Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Anschluss finden die Afrikaner, wenn sie weiter überdurchschnittliche Wachstumsraten erreichen.
Nach einem ungewohnt niedrigen Wachstum von 1,7 Prozent im Krisenjahr 2009 sagen die IWF-Experten für 2010 immerhin 4 Prozent Zuwachs voraus.
Die verheißungsvollen Perspektiven des afrikanischen Kontinents werden auch von Börsianern registriert.
Der Aktienindex MSCI Emerging and Frontier Markets Africa hat sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich besser geschlagen als der Welt-Aktienindex MSCI World.
Bei aller positiven Kursfantasie ist das Direktinvestment an afrikanischen Börsen eine Angelegenheit für Profis.
Denn Privatanleger haben keinen adäquaten Zugang zu aktuellen Informationen über Geschäftsentwicklung und Perspektiven der Unternehmen.
Auch können sie schwer einschätzen, ob die Liquidität im Wunschpapier ausreichend ist. Fondsmanager haben mit ihren Kontakten und Informationsquellen einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Außerdem streuen Fonds wie Deka-MiddleEast and Africa über zahlreiche Aktien. Anleger sollten die Chancen in der aufstrebenden Region daher mit Investmentfonds wahrnehmen.
Deka-MiddleEast and Africa legt aktuell rund 30 Prozent des Fondskapitals in afrikanische Aktien an – Tendenz steigend.
„Wegen der langfristig exzellenten Aussichten wird der Anteil in den kommenden Monaten sukzessive angehoben“, so Fondsmanager Patryk Jablonowski.
So behutsam der Fondsmanager dabei vorgeht, starke Kursschwankungen müssen bei einem Schwellenmarkt, der noch ganz am Anfang steht, einkalkuliert werden.
Wirtschaft: Für die kommenden fünf Jahre prognostiziert der IWF eine durchschnittliche Wachstumsrate von 5,3 Prozent pro anno für Afrika. Bis 2020 soll der Anteil des Kontinents am globalen BIP von 3 auf 4 Prozent steigen.
Rohstoffe: 80 Prozent Weltmarktanteil bei Platin, mehr als 50 Prozent bei Gold und Diamanten sowie hohe Vorkommen an Öl, Gas und Kobalt sorgen für Milliardeneinnahmen – und locken zudem Investoren aus rohstoffarmen Ländern wie China.
Bevölkerung: Laut den Vereinten Nationen wird sich die afrikanische Bevölkerung in 40 Jahren auf zwei Milliarden Menschen verdoppeln – das weltweit schnellste Bevölkerungswachstum.
Über Umwege nach Afrika
Anleger, die in erster Linie auf die Rohstoffbranche setzen möchten, können sich DekaLux-GlobalResources ansehen.
Fondsmanager Arvid Rickmers kauft Aktien von Unternehmen aus dem Rohstoffsektor, etwa Ölförderern, Stahlherstellern oder Minenbetreibern.
Rohstoffaktien strebten in den vergangenen zehn Jahren, abgesehen von einigen Unterbrechungen, nach oben.
Eine Garantie für die Fortsetzung dieses Trends gibt es nicht.
Aber angesichts steigender Nachfrage und eines begrenzten Angebots erscheint die Vorhersage nicht gewagt, dass Rohstoffwerte eine Zukunft haben.
Prognosen haben auch bei der Fußball-WM Hochkonjunktur. Wie weit wird die deutsche Mannschaft kommen? Kann der Gastgeber vor heimischer Kulisse das Unmögliche möglich machen?
In diesen Punkten will sich fondsmagazin mit einer Einschätzung zurückhalten, folgen große Turniere doch stets ihren eigenen, schwer berechenbaren Gesetzen.
Mit Blick auf die Anlageregion Afrika ist die Sachlage klarer: Zwar kann niemand berechnen, in welchem Tempo der Kontinent Anschluss an den Rest der Welt finden wird,
aber dass die Aufholjagd gestartet ist, scheint sicher.
Deka-MiddleEast and Africa
Der Fonds investiert überwiegend in Aktien von Unternehmen aus dem Mittleren und Nahen Osten sowie aus Afrika. Zusätzlich können Aktien von Unternehmen erworben werden, die von der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Regionen profitieren.
Konditionen: Anteilklasse CF (ISIN LU0271177163): Ausgabeaufschlag 3,75 %, Verwaltungsvergütung 1,5 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 1,96 %;
Anteilklasse TF (ISIN LU0271177593): kein Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung 1,5 % p. a., Vertriebsprovision 0,72 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 2,73 %
DekaLux-GlobalResources
Der Fondsfokus liegt auf Unternehmen aus den Bereichen Produktion, Erforschung, Förderung und Vermarktung von Erdöl, Erdgas und anderen Rohstoffen.
Konditionen: Anteilklasse CF (ISIN LU0349172485): Ausgabeaufschlag 3,75 %, Verwaltungsvergütung 1,25 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 1,52 %;
Anteilklasse TF (ISIN LU0349172725): kein Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung 1,25 % p. a., Vertriebsprovision 0,72 % p. a., Gesamtkostenquote (TER) 2,24 %
„Südafrika ist bereit für das Turnier“
Winfried Schäfer, der von 1986 bis 1998 den Karlsruher SC trainierte, wurde 2001 Nationaltrainer Kameruns.
Es folgten ab 2005 Anstellungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Herr Schäfer, im Vorfeld der Fußball-WM wurde gewarnt, dass Südafrika Probleme mit der Organisation des Turniers bekommen könnte. Wie sieht es nun aus?
Winfried Schäfer: Nach der Vergabe der WM an Südafrika sagte ich sofort, dass es für jedes afrikanische Land schwer wird, so ein Ereignis zu stemmen. Deshalb
hatte ich Unterstützung durch den Weltfußballverband (FIFA) gefordert. Denn sollte es schiefgehen, gäbe es sicher viele, die sagen würden: „Typisch Afrika!“ Nun hat mir Horst R. Schmidt, der Südafrika für die FIFA bei den Vorbereitungen begleitet hat, aber versichert: Das Land ist bereit für das Turnier, die Begutachtung der Stadien ist sehr positiv ausgefallen, auch in Sachen Infrastruktur und Sicherheit wurden große Fortschritte gemacht.
Sie kennen die Region sehr gut. Ist der wirtschaftliche Fortschritt in Afrika spürbar?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in Afrika zwei Ebenen gibt. Da sind die wunderbaren Menschen, die sich für alles engagieren können. Sie werden aber oft von mangelnder Infrastruktur oder auch von Korruption gebremst. Wenn die Afrikaner so können, wie sie wollen, kommt auch etwas Gutes dabei heraus. Das habe ich erlebt, als ich 2003 nach einer sehr gut organisierten Vorbereitung mit der Nationalmannschaft von Kamerun das Finale des Confederations Cup erreichte.
Und was ist für die afrikanischen Teams bei der WM auf ihrem Kontinent drin?
Das hängt wieder von ihrer Vorbereitung ab. Wenn sie da konzentriert arbeiten, werden mindestens zwei Mannschaften weit kommen. Ghana ist stark, Kamerun, die Elfenbeinküste – alles gute Teams. Südafrika selbst ist nicht erste Wahl.
Wer ist Ihr Titelfavorit?
Spanien und Brasilien werden sicher eine Rolle spielen, aber auch Deutschland ist immer gefährlich.
Katers Welt
Am Fußballgeschehen scheint die Wirtschaftskrise nahezu spurlos vorübergegangen zu sein.
Die Märkte rund um das runde Leder zeigen keinerlei Ermüdungserscheinungen. Die nächste Folge dieser Erfolgsstory wird im Juni angepfiffen, wenn die WM in Südafrika beginnt.

Der Frühling ist gerade mal angekommen, da ist für manche schon wieder Sommermärchenzeit. Eigentlich wäre es diesmal ja eher ein Wintermärchen,
weil die Fußballweltmeisterschaft auf der südlichen Seite der Erdkugel stattfindet, wo derzeit Herbst ist. Aber das ist egal:
Die Blickwinkel vieler Zeitgenossen werden sich bald wieder verengen auf eine Lederkugel von 70 Zentimeter Umfang und auf diejenigen, die sie kunstvoll über den Rasen bewegen.
Anlässlich der Weltmeisterschaft wird auch diesmal jede Menge ökonomischer Sinn und Unsinn rund um das Mega-Ereignis zusammengetragen.
Was ist denn nicht schon alles untersucht worden bei dieser schönsten Nebensache der Welt.
Auf einer kürzlich abgehaltenen wissenschaftlichen Konferenz konnte man sich über Themen wie die „spieltheoretische Analyse des Ballabgabeverhaltens
während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006“ informieren, genauso wie über den „Einfluss des Massenpublikums auf das Schiedsrichterverhalten“ oder den „Halbzeiteffekt:
Sind Tore kurz vor der Halbzeit mehr wert?“. Wir verschonen Sie mit den Ergebnissen und gehen gleich zum Wesentlichen über,
indem wir in gewohnter Präzision unsere Prognose vorlegen, wer 2010 Weltmeister wird: Die größten Chancen hat laut Statistik diesmal Brasilien.
Aber wie verhält es sich mit den Zahlen? Lassen wir einen Fußballweisen sprechen,
den Sportreporter Werner Hansch: „Statistik? Welche Statistik stimmt schon? Statistisch gesehen ist jeder vierte Mensch Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.“
Die Akteure im Fußballgeschäft sind zu beneiden, fragen sie doch: Krise? Welche Krise?
So sind allein die Einnahmen aus Medienrechten in Deutschland von einstelligen Millionenbeträgen noch zu Beginn der 1980er-Jahre auf fast eine halbe Milliarde Euro in der vergangenen Saison angestiegen –
das bedeutet eine Steigerung von fast 17 Prozent per annum.
Fußballvereine sind zu Kapitalgesellschaften geworden, der Internationalisierung sind durch die Aufhebung rechtlicher Beschränkungen kaum mehr Grenzen gesetzt,
die Einnahmen der Top-Spieler übertreffen die Gehälter mancher Top-Manager,
und die Preisentwicklung auf dem Transfermarkt lässt die gegenwärtigen Inflationsängste der Bevölkerung wie Kinderfernsehen gegenüber Thrillerkino aussehen.
Und dies ist wohl bei weitem noch nicht das Ende der Eckfahnenstange. Hierfür spricht der technische Fortschritt in der Medienindustrie,
die ihre Zuschauer mit hochauflösenden Fernsehbildern und Computeranalysenversorgt. Die Bedeutung von Dienstleistungen im Freizeitsektor,
wozu ja auch Fußballspiele zählen, wird noch größer werden. Und schließlich spricht auch der vermutlich immer weiter wachsende Wettbewerb an den Märkten für steigende Umsätze.
Insbesondere der Vergleich mit einigen anderen fußballbegeisterten Ländern lässt stark vermuten, dass das Potenzial des Geschäfts rund um den Ball in Deutschland noch lange nicht ausgeschöpft ist.
So dürften die Wachstumsbeiträge der Fußballbranche ihre absolute Bedeutung noch auf lange Zeit übersteigen.
„Fußball ist unser Leben“, sangen 1974 unsere Bundeskicker in verschiedenen Tonlagen und aus voller Kehle – es spricht viel dafür,
dass dieser spannende Mannschaftssport in Zukunft noch mehr zu unserem Wirtschaftsleben beitragen wird.
Stürzen wir uns also hinein in das Vergnügen; das Ökonomenteam der DekaBank wünscht Ihnen eine tolle Zeit und unseren Recken am Kap viel Glück.