Sie fragen, unsere Experten antworten
Sorgen angesichts der Inflation, aber auch Hoffnungen auf Investitionschancen bei nachhaltigen Anlagen bewegten die Anrufer der jüngsten Leser-Hotline. Die Experten zeigten ihnen Lösungswege auf.
Mit welchen Anlagen kann ich mich vor Inflation schützen?
Sachwertanlagen wie Gold und Immobilien bieten langfristig einen gewissen Inflationsschutz. Bei einer Investition in physisches Gold verzichtet der Anleger aber auf regelmäßige Erträge. Zudem ist der Goldpreis anfällig für Schwankungen, was angesichts der erreichten Rekordwerte das Risiko einer Kurskorrektur erhöht. Wer direkt in Immobilien investiert, benötigt viel Kapital und bindet Liquidität. Eine Alternative bieten Fonds wie Deka-RentenReal, die in inflationsindexierte Anleihen investieren und so Renditechancen und Liquidität verbinden. Sie bestehen aus zwei Komponenten: dem zu Beginn der Laufzeit festgelegten Realzins (Kupon) und einer Komponente, die den Kaufkraftverlust bei steigender Inflation ausgleicht. Anders als traditionelle Anleihen, die einen Nominalzins zahlen, bieten inflationsindexierte Anleihen eine reale Rendite, da der Rückzahlungsbetrag und damit auch der Zinskupon den Inflationsbedingungen angepasst werden. Nimmt die Inflation zu, steigt der Kupon. So bleibt der Realwert der jährlichen Ausschüttung und des zurückzuzahlenden Kapitals stabil. Deka-RentenReal investiert weltweit und kann so unterschiedliche Inflationsentwicklungen nutzen. Währungsrisiken werden abgesichert.
Wie sehen Sie die Entwicklung im Segment nachhaltige Geldanlagen?
Wir sind zuversichtlich. Die Entwicklung ist allerdings keine Einbahnstraße. So muss sich der Anleger hoher Schwankungen bewusst sein. Aus diesem Grund empfehlen wir generell eine regionale und themenbezogene Risikostreuung. Als attraktiv schätzen wir neben dem Segment erneuerbare Energien unter anderem das Segment Wasser ein, das beispielsweise von höheren Preisen bei Agrarrohstoffen profitiert und generell als defensivere Anlage betrachtet werden kann. Weiterhin profitieren breit aufgestellte Nachhaltigkeits- und Ethikfonds in diesem Jahr von den weltweit positiven konjunkturellen Rahmenbedingungen. Wie bei jedem Kapitalmarktinvestment sind Wertschwankungen möglich, deshalb sollte auch die Anlage in Nachhaltigkeitsfonds mittel- bis langfristig ausgerichtet sein.
Wie ist DekaSelect: Nachhaltigkeit positioniert?
Im Dachfonds DekaSelect: Nachhaltigkeit haben wir aktuell die Segmente erneuerbare Energien und Energieinfrastruktur hoch gewichtet. Ausgelöst durch die tragischen Ereignisse in Japan überprüfen viele Länder ihre Energiepolitik. Wir gehen davon aus, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix tendenziell steigen wird – zu Lasten der Atomkraft. Damit verbunden sind massive Investitionen in die Energieinfrastruktur. Davon werden unseres Erachtens neben Windkraftproduzenten auch Unternehmen aus der Bauwirtschaft (Stromtrassen, energieeffizientes Bauen) und der IT-Branche (Software für intelligente Stromnetze) profitieren. Aufgrund politischer Diskussionen und Entscheidungen ist aber mit deutlichen Schwankungen zu rechnen, auf die das Vermögensmanagement flexibel reagieren wird. Um Klumpenrisiken zu vermeiden, berücksichtigt der Dachfonds DekaSelect: Nachhaltigkeit außerdem Fonds zu Themen wie Wasser und Klimawandel sowie breit aufgestellte Nachhaltigkeits- und Ethikfonds.
Wie schätzen Sie Investments in Wandelanleihen ein?
Sie vereinen die Vorteile von Aktien- und Anleiheninvestments: Die Anleihekomponente sorgt für eine gewisse Stabilität in unruhigen Zeiten, zusätzlich ermöglicht das Wandlungsrecht (Aktienkaufoption) attraktive Gewinne bei steigenden Aktienkursen. Als Faustregel gilt langfristig, dass Wandelanleihen zu etwa zwei Dritteln an steigenden Aktienkursen partizipieren, aber nur zu einem Drittel an fallenden Kursen. Sie bieten eine gute Einstiegsmöglichkeit für aktieninteressierte Anleger, die die stabilisierende Wirkung von Anleihen schätzen. Zudem bieten Wandler einen gewissen Inflationsschutz: Gerade in Zeiten mit hoher Inflation haben sie sich in der Vergangenheit gut entwickelt. Dennoch bestehen Risiken, etwa Bonitätsveränderungen der Emittenten oder eine negative Aktienmarktentwicklung. Vor allem Stagflation – wirtschaftliche Stagnation plus Inflation – mit steigenden Zinsen sowie fallenden Aktienmärkten kann Wandler belasten. Der Fonds Deka-Wandelanleihen investiert weltweit, der Schwerpunkt liegt auf Euro-Anleihen mit guter bis sehr guter Bonität.


Windkraft für den Toaster
Immer mehr Kunden wechseln zu Ökostromanbietern. Dabei ist längst nicht jeder Tarif auch umweltfreundlich. Worauf beim Wechsel zu achten ist und woran sich „grüner Strom“ erkennen lässt.
Strom kommt aus der Steckdose. Wie er dahin kommt, ist für immer mehr Menschen eine Frage der Lebensphilosophie: Viele wollen Atomkraft nicht länger akzeptieren, oder sie suchen Alternativen zur Braunkohle als fossiler Ressource. Mit dem Umstieg auf „grünen Strom“ möchten sie privat ein Zeichen für die Energiewende setzen. Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, unterstützt diesen Trend: „Wir empfehlen den Wechsel zu Ökostrom. Das ist gut für den Klimaschutz, nutzt Ihnen, Ihren Kindern und Enkeln.“
Wer Ökostrom bestellt, ändert aber zunächst nichts an dem Strom, der aus der Steckdose kommt. Er sorgt auch nicht unbedingt dafür, dass erneuerbare Energien ausgebaut werden. Nicht jeder Ökotarif ist umweltfreundlich. Beim Wechsel gilt es daher, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Gleicher Strom für alle
Prinzipiell kommt aus jeder Steckdose das gleiche Gemisch aus Strom. Alle Energiequellen speisen nämlich in einen großen „See“ ein, aus dem der Kunde schöpft, um seinen Toaster, den Herd, die Waschmaschine oder die Umwälzpumpe der Heizung zu betreiben. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft wurde 2010 fast die Hälfte jeder in Deutschland verbrauchten Kilowattstunde in Stein- und Braunkohlekraftwerken produziert. Kernkraftwerke haben im gleichen Zeitraum mehr als 20 Prozent zum Energiemix beigetragen. Und die Summe aller erneuerbaren Energien liegt aktuell bei rund 17 Prozent – Tendenz steigend. Der Rest stammt unter anderem von Gaskraftwerken. Ganz gleich, von welchem Anbieter der Kunde seinen Strom bezieht, beliefert wird er vom nächstgelegenen Kraftwerk.

Was aber in den großen Stromsee gepumpt wird, liegt nun sehr wohl im Einflussbereich des Verbrauchers. Denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz regelt seit April 2000, dass vorrangig Ökostrom in das deutsche Versorgungsnetz eingespeist werden muss. „Das entscheidende Qualitätskriterium für Ökostrom – ein Wort, das übrigens gesetzlich nicht definiert oder geschützt ist – ist der Ausbau von erneuerbaren Energien“, sagt Jürgen Stellpflug, Chefredakteur des Magazins „Öko-Test“. Das bedeutet, für den Verbraucher muss transparent sein, wo der Strom produziert wird – ob er aus einem Windpark oder einem Holzheizkraftwerk stammt – und wie viel der Anbieter pro Jahr in den Ausbau regenerativer Energien investiert. Das lässt sich zum Beispiel im Internet auf der Homepage des Stromanbieters nachlesen.
So viel „Öko“ ist im Strom
Die letzte Sicherheit ist schwer herzustellen. Insbesondere weil es für Stromanbieter durch den Erwerb sogenannter Recs-Zertifikate (Renewable Energy Certificate System) möglich ist, Normalstrom in grünen Strom umzudeklarieren. Nach einem einfachen Prinzip: „Betreiber von Wasserkraftwerken trennen ihren Ökostrom quasi in ‚Öko‘ und ‚Strom‘. Das Öko-Label, also der Umweltvorteil, wird dann separat verkauft“, erklärt Professor Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. So verbrieft etwa ein skandinavischer Stromproduzent eine bestimmte Menge seines Ökostroms und tauscht sie gegen ein Zertifikat über dieselbe Menge Atomstrom eines deutschen Anbieters. Dieser darf seinen Atomstrom dann als Ökostrom verkaufen. Das Recs-Zertifikat ist nur ein Herkunftsnachweis und belegt, dass irgendwo in Europa die vom Kunden bezahlte Energiemenge aus erneuerbaren Quellen produziert wird. Im deutschen Stromsee kommt sie vielleicht nie an.
Einen Hinweis auf „grünen“ Strom mit Zusatznutzen für die Umwelt geben die Gütesiegel „OK-Power“ und „Grüner Strom Gold“, die von Naturschutz- und Verbraucherverbänden vergeben werden. Beide Siegel verbieten Recs-zertifizierten Strom und versichern dem Kunden, dass ein Teil der Einnahmen in den Bau neuer Anlagen zur Energiegewinnung aus regenerativen Quellen investiert wird.

Intransparent wird der Strommarkt für Verbraucher auch durch das Prinzip des Verschiebebahnhofs. Die großen Stromkonzerne auf dem deutschen Markt speisen ihr Energienetz in der Regel aus unterschiedlichen Quellen: Sie können Atomkraftwerke neben Offshore-Windparks betreiben und Braunkohlekraftwerke neben Fotovoltaikfeldern. Durch einfache Umbuchung können die Tarife gezielt auf jeden Kunden abgestimmt werden. Der Ökostromkunde bekommt das Kontingent aus den erneuerbaren Energiequellen, der andere, dem es gleichgültig ist, einen Tarif, der sich vorwiegend aus Atomstrom speist. „Im schlechtesten Fall subventioniert man mit einem Ökotarif den Erhalt eines Atomkraftwerks“, erklärt Stellpflug das Dilemma.
Wie der Strommix des eigenen Anbieters konkret aussieht, kann jeder Verbraucher seiner Stromrechnung entnehmen. Dort steht verpflichtend, woher der Strom stammt, wie viel Kohlendioxid pro Kilowattstunde frei wurde und wie viel Gramm Atommüll dabei anfielen. Außerdem müssen Anbieter einen Vergleich liefern. In der Rechnung steht etwa, dass der Strom, den der Kunde bezieht, zu „x“ Prozent aus erneuerbaren Energien besteht, während der Bundesdurchschnitt bei „y“ Prozent liegt.
Echte „tiefgrüne“ Angebote sind rar. In einem aktuellen „Öko-Test“-Vergleich finden sich immer dieselben Anbieter qualitativ hochwertigen Ökostroms, etwa die EWS Elektrizitätswerke Schönau oder die Firma Lichtblick. Auf die Topliste haben es aber auch andere Anbieter wie der Tarif „Tchibo Grüner Strom“ geschafft.
Vergleichen lohnt sich
Neben dem Umweltbewusstsein entscheidet oft der Preis über die Wahl des Stromanbieters. Die meisten Deutschen haben noch nie ihren Energielieferanten gewechselt und erhalten den Grundtarif des Standardanbieters. Der ist häufig teurer als ein Ökostromtarif. Das Verbraucherportal Verivox vergleicht regelmäßig die Angebote am Markt. Ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch spart mit grünem Strom durchschnittlich knapp 30 Prozent gegenüber dem Grundtarif. Das sind über 200 Euro pro Jahr. Die Preise unterscheiden sich je nach Wohnort, Verbrauch, Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen. Manche Unternehmen locken Neukunden mit einem Bonus, andere bieten Paketpreise ähnlich wie Mobilfunkanbieter an. Hier bezahlen Kunden vorab für eine bestimmte Menge Strom. Jede zusätzliche Kilowattstunde wird separat und in der Regel teurer abgerechnet. Neben Internet-Vergleichsportalen können auch Verbraucherzentralen vor Ort bei der Entscheidung helfen. Selbst wenn das „grüne Gewissen“ 1 oder 2 Cent mehr pro Kilowattstunde kosten sollte als der günstigste Tarif: Warten könnte sich lohnen, denn die Preisdifferenz zwischen Strom aus erneuerbaren Energien und durchschnittlichem Strommix wird immer geringer.
Der Wechsel selbst erfolgt meist schnell und reibungslos. „Sie kontaktieren den neuen Anbieter per Telefon, Brief oder E-Mail, und er erledigt alle Formalitäten mit dem alten Versorger“, fasst Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, zusammen. Der Übergang dauert vier bis zehn Wochen. In dieser Zeit springt der lokale Grundversorger ein, sodass es zu keinem vorübergehenden Stromausfall kommen kann.
Die umweltfreundlichste Kilowattstunde bleibt natürlich die, die gar nicht verbraucht wird. „Wir raten zu beidem: Anbieter wechseln und weniger verbrauchen“, sagt Hörmann. Bei Neuanschaffungen elektrischer Geräte sollten Kunden auf einen niedrigen Strombedarf achten. Darüber hinaus verleihen Stadtwerke, Verbraucherzentralen und andere Organisationen kostenfrei Strommessgeräte, mit denen versteckte Energiefresser aufgespürt werden können. Nur das Abschalten geht noch schneller als der Wechsel zum Ökostromanbieter.
Wohin mit den Bildern?
Die Ferien sind vorbei, die Speicherkarte der Digitalkamera ist voll. Für die Sicherung, Bearbeitung und Präsentation der Urlaubserinnerungen gibt es viele Möglichkeiten.
Tosend rollt eine tiefblaue Wasserwand heran und klatscht mit voller Wucht gegen die Felsküste. Gischt spritzt in alle Richtungen. Lena Reichart spürt den salzigen Nebel noch auf der Haut, wenn sie an den Sommerurlaub auf der Kanareninsel El Hierro denkt. Ihre Reise hat die Studentin auf mehr als 1.000 Digitalfotos festgehalten.
Damit die Erinnerungen nicht verloren gehen, sichert Lena ihre digitalen Bilder doppelt und bewahrt die Kopien an zwei Orten auf. André Kramer, Redakteur der Computerzeitschrift „c’t“, rät: „Die Fotos zunächst auf der Festplatte des Computers ablegen und mit Ordnernamen versehen, die das Datum und eine aussagekräftige Beschreibung enthalten.“ Die zweite Kopie kann auf einer externen Festplatte gelagert werden, oder man kauft sich Speicherkapazität im Internet. Virtuelle Festplatten mit weniger als zehn Gigabyte sind oft kostenfrei. Vorteil der Online-Datensicherung: Der Zugriff ist passwortgeschützt von jedem Computer aus möglich. Beschreibbare CDs und DVDs sind für die langfristige Bildarchivierung hingegen nicht die beste Wahl, da Licht, Temperaturschwankungen oder Feuchtigkeit die Beschichtung angreifen und die Daten beschädigen können. Sind die Fotos gesichert, geht es ans Aussortieren: Weg mit doppelten, verwackelten oder falsch belichteten Aufnahmen. Bei der Vorauswahl hilft eine Software zur Bildbetrachtung wie Irfanview oder der Faststone Image Viewer
(-> Infos).
Lena veröffentlicht ihre schönsten Fotos im Internet auf Facebook, wo sie ihre Freunde anschauen können. Ähnlich funktionieren die Web-Alben Flickr und Picasa. Sie ermöglichen kleinere Bildbearbeitungen, etwa um Fotos aufzuhellen, Kontraste zu erhöhen oder rote Augen zu korrigieren. Wer sich intensiver mit digitaler Bildbearbeitung befassen möchte, findet mit Paint.net ein schnelles und kostenloses Programm für den Einstieg. Damit sind auch aufwendige Retuschen und Montagen möglich.
Qualität muss nicht teuer sein
Viele Hobbyfotografen möchten ihre Bilder nicht nur online bewundern, sondern auch in Händen halten. Die Lösung: selbst gestaltete Fotobücher. Sie gibt es in der einfachsten Variante ab circa 8 Euro. Die Angebote unterscheiden sich teilweise deutlich im Preis, dabei kommen inzwischen viele Abzüge von den gleichen Großlabors. Die Erfahrung von André Kramer: „Bestellen Sie bei einem Markenanbieter, bezahlen Sie oft den doppelten oder dreifachen Preis gegenüber einer Drogerie oder einem Discounter.“
Die Qualität der großen Labors hat sich in den letzten Jahren angeglichen, sodass man auch bei günstigen Anbietern gute Bücher und Abzüge bekommt. Gestaltet wird das Fotobuch mit einer vom Anbieter bereitgestellten Software. Bevor sich der Kunde für eine Buchvariante entscheidet, kann er verschiedene Designs ausprobieren. Dafür sollte man Zeit einplanen: einen Tag gestalten, eine Nacht liegen lassen und am nächsten Tag erneut begutachten. Außerdem ist die Entscheidung zwischen Ausbelichtung auf Fotopapier und Digitaldruck zu treffen. Fotopapier ist hochwertiger und dicker, aber auch teurer. „Beim Digitaldruck erreichen die Anbieter mittlerweile ebenfalls sehr ansehnliche Ergebnisse“, weiß Kramer.
Ob digital oder zum Blättern, online oder auf dem PC – der schönste Wellenbrecher hängt klassisch gerahmt in Lenas Wohnzimmer.
*„Ein Fehler zieht den anderen nach sich“, besagt die lateinische Redewendung. Um dem vorzubeugen, erhalten deutschlandweit mehr als eine Million Schüler Nachhilfe. fondsmagazin beantwortet sieben Fragen zum Thema.
Wenn das neue Schuljahr beginnt, werden sich wieder viele Eltern die Frage stellen: Braucht mein Kind Nachhilfe? Im Ranking der gefragtesten Nachhilfefächer liegt Mathematik auf Position eins. Wer mit Mathe keine Probleme hat, sucht Unterstützung vor allem in Deutsch, Englisch, Französisch, Latein und Physik. Etwa 1,1 Millionen Schüler werden derzeit neben der Schule „gecoacht“. Diese Aufarbeitung des Lehrstoffs lassen sich Eltern bis zu 1,5 Milliarden Euro jährlich kosten – so eine Schätzung der Bertelsmann Stiftung.
„Daraus ein Versagen des Schulwesens abzuleiten, ist unangebracht“, erklärt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Wenn man diese Zahl auf die Gesamtzahl der Schüler herunterbreche, relativiere sie sich auf durchschnittlich 100 Euro pro Kopf und Jahr. Außerdem gebe es Eltern, die Hausaufgabenbetreuung delegieren, statt effektives Arbeiten zu Hause zu organisieren. Über die Nachfrage freut sich naturgemäß die Nachhilfebranche. Laut einer Analyse des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs) registrierten 58 Prozent der professionellen Anbieter in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage. Ein wichtiger Grund ist die Einführung der achtjährigen Gymnasialzeit, weil nun der Lehrstoff in kürzerer Zeit vermittelt werden muss. „Schüler und Eltern klagen über zunehmenden Druck“, bestätigt Thomas Momotow vom Studienkreis, einem der beiden Marktführer unter den Nachhilfeinstituten.
Diesen Druck bekommen viele Kinder bereits in der Grundschule zu spüren. Nach der Fibs-Untersuchung ist mittlerweile fast jeder fünfte Nachhilfeschüler ein Dritt- beziehungsweise Viertklässler. Besonders hoch ist der Anteil dort, wo die Empfehlung der Grundschule für den Übertritt in weiterführende Schulen verbindlich ist. Denn „fast 60 Prozent aller Eltern streben an, dass ihre Sprösslinge das Abitur machen“, so Bildungsforscher Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance in Berlin. Die folgenden Fragen und Antworten sollen Orientierung geben, ob und welche Form der Nachhilfe für Schüler ratsam ist.
Wann braucht ein Kind Nachhilfe?
Eine Fünf kann ein Ausrutscher sein, nach der zweiten Fünf sollten Schüler und Eltern jedoch aktiv werden. Je größer die Wissenslücken sind, desto schwieriger ist es, den Rückstand aufzuholen. War ein Schüler lange krank oder schafft er in einem Fach stets nur mit Mühe und Not eine Vier und äußert zudem, den Stoff nicht zu „verstehen“, ist dies ein ernstzunehmendes Signal – und ein Versuch lohnt sich. Jörg Wittwer vom Pädagogischen Seminar der Universität Göttingen bestätigt: „Nachhilfe ist in der Regel eine effektive Methode zur Verbesserung schulischer Leistung.“
Was spricht für Einzelunterricht, was für Lernen in der Gruppe?
Einzelunterricht beim Privatlehrer ist die wirkungsvollste Variante, wenn ein Kind bestimmte Inhalte schnell nachholen muss. Manche Schüler geben Gruppenunterricht den Vorzug, weil er „mehr Spaß macht“ und es sie entlastet, dass auch andere „dumme“ Fragen stellen. Dort kann der Nachhilfelehrer auf spezielle Schwächen seiner Schützlinge allerdings weniger eingehen.
Wie findet man den richtigen Nachhilfelehrer?
Zunächst den eigenen Lehrer fragen. Die meisten Pädagogen unterstützen die Initiative, einem Kind zu helfen. Haben weder Lehrer noch andere Eltern eine Empfehlung, lohnt eine Suche im Internet bei Nachhilfebörsen wie nachhilfenet.de oder erstenachhilfe.de. Kandidaten sollten nach Befähigung und Referenzen gefragt werden. Der nächste Schritt ist ein Probetermin, im Anschluss berichten Kind und Nachhilfelehrer getrennt über ihre Eindrücke. Die Chemie zwischen beiden muss stimmen, sonst sind weitere Stunden sinnlos.
Wie effektiv arbeiten Nachhilfeinstitute?
Zwischen 3.000 und 4.000 kommerzielle „Paukstudios“ gibt es hierzulande. Die beiden Branchenriesen sind Studienkreis und Schülerhilfe. Beide Ketten haben je rund 1.000 Filialen. Viele Institute erwecken den Anschein, kompetent und professionell zu arbeiten, was aber nicht immer der Realität entspricht. Qualitätssiegel, etwa von der Gütegemeinschaft Ina-Nachhilfeschulen oder dem Tüv, sind ein Hinweis auf seriöse Anbieter. Eltern sollten aber nicht blind auf diese Auszeichnungen vertrauen. Ob ein Kind im Kleingruppenkurs etwas lernt oder nicht, hängt wie in der Schule vor allem von den Fähigkeiten und dem pädagogischen Geschick des jeweiligen Lehrers ab. Ein weiteres Kriterium für die Wahl eines Instituts sollte die Vertragsgestaltung sein. Ratsam ist eine monatliche Kündigungsfrist, selbst wenn der Preis höher ist. Je kürzer die Bindung, desto engagierter wird man sich um den Schüler bemühen.
In welchen Fällen ist Online-Nachhilfe geeignet?
Die Lernunterstützung per Internet passt insbesondere zu älteren, selbstständigen Schülern mit eigenem Computer. An- und Abfahrtswege entfallen, und viele Schüler arbeiten gern mit dem Computer. Bei einigen Anbietern können Schüler die Unterstützung spontan ohne Terminvereinbarung in Anspruch nehmen. Abgerechnet wird dann im Minutentakt. Online-Nachhilfe ist aber in Teilen noch ein Experimentierfeld – vieles wird ausprobiert, einiges wieder verworfen, Anbieter kommen und gehen. Zu den bekannten Adressen gehören Eprendo.de und Lektion8.de. Dynamisch entwickeln sich Lernportale, die keine maßgeschneiderte Nachhilfe, sondern vertiefende Übungen zum Lernstoff aus der Schule anbieten. Bei Scoyo.de führen Zeichentrickfiguren durch die Lektionen, Sofatutor.com stellt etwa 5.000 Lernvideos zur Auswahl.
Was kostet Nachhilfe?
Privatlehrer verlangen je nach Ausbildung etwa 12 bis 30 Euro pro Stunde, etwas niedriger ist die Obergrenze für Online-Unterricht. Bei einigen Lehrern dauert eine Stunde analog zur Schule nur 45 Minuten. Lerninstitute nehmen für eine Doppelstunde (90 Minuten) pro Woche eine Gebühr von etwa 95 Euro monatlich. Auf Lernportalen sind Flatrates die Regel, bei Sofatutor.com haben Schüler beispielsweise für knapp 10 Euro im Monat Zugriff auf alle Videos.
Wie lange darf Nachhilfe dauern?
Nach spätestens sechs Monaten sollte sich die Note deutlich verbessert haben und der Schüler ohne weitere Hilfe gut zurechtkommen. Nur in Ausnahmefällen sollte eine Unterstützung über das empfohlene halbe Jahr hinaus eingeplant werden. Wer in mehreren Fächern über einen längeren Zeitraum Extrastunden benötigt, besucht womöglich die falsche Schule. „Der Ehrgeiz mancher Eltern ist größer als das Leistungsvermögen ihrer Kinder“, kommentiert Josef Kraus vom Lehrerverband. Grundsätzlich ist Nachhilfe nur in homöopathischen Gaben sinnvoll. Bei Überdosierung droht ein „Hängematteneffekt“: Kinder ruhen sich in der Schule auf der Gewissheit aus, dass der Privatlehrer es schon richten wird.